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Die sechs Grundbewegungen

Relationale Präsenz lässt sich nicht als Technik lernen, wohl aber als Bewegung üben. Sechs Grundbewegungen beschreiben, wie sie sich im Leben zeigt. Sie sind keine Stufen, sondern Teile einer Spirale: Jede führt zur ersten zurück, und jede Rückkehr geschieht auf anderer Höhe.

Bemerken

Wahrnehmen, was ist, bevor es gedeutet wird, und dazu gehören auch die Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen. Bemerken steht nicht nur am Anfang, sondern kehrt in jeder anderen Bewegung wieder. Das Buch dazu ist „Zwischen Feuer und Glut“, ein Band, in den geschrieben wird; erzählend vertieft wird die Bewegung in „Deine Geschichte, die du dir erzählst“.

Bei sich bleiben

In Beziehung bleiben, ohne sich selbst zu verlassen. Die Grenze ist hier keine Mauer, sondern eine Membran: Sie lässt durch, was nähren soll, und hält zurück, was zerstören würde, und verlangt damit in jedem Fall eine Entscheidung. Bei sich zu bleiben ist kein Rückzug, sondern die Bedingung echter Nähe. Das Buch dazu ist „Die Grenze, die bei mir beginnt“.

Sich zeigen

Aufhören zu verschwinden und in die eigene Sichtbarkeit treten, ohne sich zu inszenieren. Es geht um Stimme, Wert und ihre äußere Form, und um Macht als Fähigkeit, bei sich zu bleiben, auch dann, wenn andere hinsehen. Dazu gehört, dass das eigene Nein hörbar wird. Ein Ja ist nur dort etwas wert, wo ein Nein möglich war. Das Buch dazu ist „Aufhören zu verschwinden“.

Begegnen

Dem Anderen als Anderem begegnen, mit Verletzlichkeit und ohne sich selbst zu verlieren. Liebe erscheint hier nicht als Zustand, den wir besitzen, sondern als Bewegung, die vollzogen oder unterlassen wird. Das Buch dazu ist „Liebe als Bewegung“, ergänzt durch die Bildnovelle „Als der Engel blieb“.

Den Griff lockern

Was ich am Anderen festhalte, halte ich in mir. Den Griff lockern heißt, die Bedingung freizugeben, unter der ich erst frei sein dürfte, auch im Vergeben. Das Vergangene bleibt, wie es war; wie ich mit ihm lebe, kommt wieder in Bewegung. Das Festhalten wird dabei zunächst als alte Form von Schutz verstanden und nicht als Fehler, und die Ordnungen von Vergebung, Versöhnung und Frieden werden sorgfältig auseinandergehalten. Das Buch dazu ist „Deinen Griff lockern“.

Verbunden leben

Zu einem Wir gehören, ohne darin zu verschwinden. Das Du, das hier wieder auftaucht, ist ein Du im Wir. Das Buch dazu ist „Verbunden leben“.

Wie sie zur Formel stehen

Im Zentrum steht die Würde: Ein Mensch geht niemals vollständig in dem auf, was über ihn gesagt, gewusst oder erwartet werden kann. Die Leitformel lautet: Innere Klarheit. Reife Beziehung. Geteilte Verantwortung. Sie ist eine Reihenfolge und wird in Paaren gegangen: Bemerken und Bei sich bleiben gehören zur inneren Klarheit, Sich zeigen und Begegnen zur reifen Beziehung, Den Griff lockern und Verbunden leben zur geteilten Verantwortung. Was die drei Glieder bedeuten, steht auf der Seite Relationale Präsenz, welche Werte ich ihnen zuordne, auf der Seite „Philosophie und Werte“. In derselben Reihenfolge gehen die Einundzwanzig Tage durch die sechs Bewegungen. Quer zu allen sechs steht „Würdiger begegnen“ als philosophisches Fundament, eine Ethik relationaler Präsenz: Aus der Begrenztheit des Erkennens folgen Würde, Demut, Dialog und Grenze.

Fünf Prinzipien

Wiederkehr statt Leistung: Nicht wer am meisten schafft, lernt am tiefsten, sondern wer immer wieder zurückkehrt. Haltung statt Technik: Übungen sind Wege in eine Haltung, keine Werkzeuge, die für sich wirken. Verkörperung vor Verstehen: Was im Körper erfahren ist, trägt weiter. Beziehung als Lernort: Relationale Präsenz wird zwischen Menschen gelernt, nicht allein. Würde als Grund: Niemand wird diagnostiziert, beurteilt oder gedrängt.

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