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Relationale Präsenz

Präsenz meint hier die Bereitschaft, dem zu begegnen, was ist: nicht dem, was sein sollte, nicht dem, was einmal war, sondern dem, was sich gerade zeigt. Das klingt selbstverständlich und ist es nicht, denn wir verbringen viel Zeit außerhalb dieser Begegnung, in Erinnerungen, Erwartungen und inneren Geschichten über die Wirklichkeit. Präsenz ist deshalb kein Zustand, den jemand erreicht, sondern eine Bewegung des Zurückkehrens: zum eigenen Erleben, zum Körper, zur Beziehung.

Warum relational

Präsenz zeigt sich dort, wo ein Mensch einem anderen gegenübersteht: wo er bleibt, statt sich zu verlassen, und sich zeigt, statt zu verschwinden. Gegenwärtigkeit, die sich nur im Rückzug bewährt, bleibt unvollständig. Relationale Präsenz heißt deshalb: Gegenwärtigkeit, die sich in Beziehung bewährt, zu sich selbst, zum Anderen und zu dem Feld, das Menschen miteinander teilen. Ihre ethische Kurzform lautet: Ich verrate weder Deine Würde noch meine.

Wie bleibt Nähe möglich, ohne dass jemand darin verschwindet?

Die Formel als Reihenfolge

Die Leitformel lautet: Innere Klarheit. Reife Beziehung. Geteilte Verantwortung. Sie ist keine Aufzählung, sondern eine Reihenfolge: erst die Beziehung zu sich selbst, dann die Beziehung zum Anderen, dann das gemeinsame Feld, in dem niemand alles tragen muss und niemand unsichtbar bleiben darf. Jedem der drei Glieder sind zwei der sechs Grundbewegungen zugeordnet.

Innere Klarheit heißt, genauer zu sehen, was wirklich geschieht: Schuld von Scham, Angst von Wahrheit, Grenze von Härte, Vergebung von Selbstverrat und Frieden von Schweigen zu unterscheiden. Zu ihr gehören Bemerken und Bei sich bleiben.

Reife Beziehung heißt, Nähe und Grenze zusammenzuhalten: weder Verschmelzung noch Kontrolle, Unterschied und Konflikt aushalten, bleiben können, wo Wahrheit getragen wird, und gehen, wo Nähe nur um den Preis des Selbstverlusts möglich wäre. Zu ihr gehören Sich zeigen und Begegnen.

Geteilte Verantwortung heißt nicht gleiche Schuldverteilung, sondern dass jede Person den eigenen Anteil trägt und dass das, was zwischen Menschen liegt, von einer Seite allein nicht gehalten werden kann. Sie gilt auch dort, wo Beziehung im Abstand weitergeht oder endet. Gewalt verantwortet allein, wer sie ausübt. Zu ihr gehören Den Griff lockern und Verbunden leben.

Welche Werte ich jedem dieser Schritte zuordne und warum die Liebe dabei in der Mitte steht, erzähle ich auf der Seite „Philosophie und Werte“.

Das Leben als Spirale

Entwicklung verläuft nicht geradlinig. Wir begegnen denselben Themen immer wieder, der Liebe und dem Verlust, der Zugehörigkeit, dem Sinn und der Freiheit, aber wir begegnen ihnen nie als dieselben Menschen. Wir kehren zurück, doch wir kehren nicht an denselben Ort zurück.

Keine Ideologie

Relationale Präsenz ist keine Schule und kein Dogma. Sie bietet keine geschlossene Weltanschauung und keine Antwort auf alle Fragen, sondern einen Ort, an dem Perspektiven miteinander in Beziehung treten: Wissenschaft und Erfahrung, Individuum und Gemeinschaft, Psychologie und Kultur, Verantwortung und Freiheit, Wissen und Staunen.

Wie sich das im Leben zeigt, beschreiben die sechs Grundbewegungen. Worauf es ruht, steht auf der Seite „Philosophie und Werte“, und wie wir einander begegnen wollen, im Kodex. Die tragenden Begriffe sind im Glossar der Relationalen Präsenz einzeln nachzulesen.

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