
Von der Würde, sich selbst nicht länger zu verlassen und dabei in Beziehung zu bleiben
Reihe Relationale Präsenz, Band 1 · Taschenbuch, Hardcover und E-Book · Erstausgabe November 2026
Grundbewegung: Bei sich bleiben
Manchmal verlässt Du Dich leise. In einem Ja, das Dir zu schnell über die Lippen kommt. In einem Unbehagen, das Du beiseiteschiebst. In einem Frieden, für den Deine Bedürfnisse verstummen.
Eine Grenze beginnt dort, wo Du Dir wieder zuhörst. Doch oft melden sich alte Ängste: Darf ich jemanden enttäuschen? Bin ich noch liebenswert, wenn ich Nein sage?
Dieses Buch erzählt von Loyalitäten, die halten und einengen, von Schuldgefühlen und von Nähe, in der Du nicht verschwinden musst. Es lädt Dich ein, Deiner Wahrnehmung zu vertrauen, damit Dein Nein Dich schützt und Dein Ja wieder von Dir kommt.
Eine Grenze öffnet einen Raum, in dem ich aufhöre, mich selbst zu verlassen.
Worum es geht
Im Zentrum steht eine Unterscheidung, die alles Weitere trägt: Eine Grenze ist keine Mauer. Eine Mauer trennt, eine Grenze unterscheidet. Eine Mauer sagt: Du kommst hier nicht durch. Eine Grenze sagt: Hier bin ich, und dort bist Du, und genau deshalb können wir uns wirklich begegnen. Näher als die Wand ist das Bild der Membran, die durchlässt, was nähren soll, und zurückhält, was zerstören würde.
Das Buch beginnt deshalb nicht bei der perfekten Grenze und nicht beim souveränen Nein, sondern bei jenem leisen Moment, in dem Du bemerkst, dass Du Dich gerade selbst verlassen hast. Dieser Moment ist die eigentliche Schwelle, und alles Weitere folgt daraus.
Der Aufbau
Vier Teile mit zwölf Kapiteln führen von der Wahrnehmung zur gelebten Praxis. Wahrnehmen handelt vom leisen Verschwinden des eigenen Lebens, davon, warum Grenzen oft Schuld auslösen, und davon, dass der Körper es meist zuerst weiß. Verstehen nimmt sich die Rollen vor, die uns an der Grenze hindern, und das Verhältnis von Grenze und Beziehung.
Die Schwelle handelt vom Nein als Schwelle zum eigenen Leben, vom Ja danach und davon, was geschieht, wenn Andere Deine Grenze nicht mögen. Leben führt zur ethischen Grenze, zu den Grenzen im Alltag, zur inneren Grenze und schließlich zur Präsenz statt Perfektion. Dazu kommen ein Vorwort, ein Nachwort, kommentierte Quellen und ein Glossar mit zweiunddreißig Einträgen.
Leseprobe aus dem Vorwort
Die Leseprobe folgt der Schreibweise des Buches, in der die Anrede kleingeschrieben wird.
Dieses Buch ist nicht aus dem Wunsch entstanden, dir zu sagen, wie du sein sollst. Es ist aus einer leisen Beobachtung entstanden, die mich lange begleitet hat: dass die meisten Menschen, die ich kenne, nicht daran leiden, zu wenig über Grenzen zu wissen. Sie leiden daran, dass sie sich in den entscheidenden Momenten selbst verlassen.
Sie wissen längst, dass sie zu viel übernehmen. Sie spüren, dass ein bestimmtes Ja sie etwas kostet. Sie ahnen, dass ihr Schweigen an manchen Stellen kein Frieden ist, sondern ein stiller Rückzug. Und trotzdem geschieht es wieder. Nicht aus Dummheit oder aus Schwäche. Sondern weil etwas in ihnen schneller ist als ihre eigene Wahrheit.
Ich kenne das von innen. Ich habe lange geglaubt, ich müsste verständnisvoller sein, statt ehrlicher. Ich habe Harmonie für Nähe gehalten und Anpassung für Liebe. Ich war freundlich, verfügbar, zugewandt, und manchmal war genau diese Freundlichkeit der Ort, an dem ich aufhörte, anwesend zu sein. Nicht für die Anderen. Für mich.
Den Grenzverlust habe ich Rücksicht genannt. Manchmal auch Reife oder Großzügigkeit. Es klang besser. Es fühlte sich auch besser an, jedenfalls für eine Weile. Erst nach und nach merkte ich, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Geben, das aus Fülle kommt, und einem Geben, das aus Angst geschieht. Beides sieht von außen ähnlich aus. Innen sind es jedoch zwei verschiedene Welten.
Vielleicht liest du dieses Buch nicht, um etwas Neues zu lernen, sondern um dich an etwas zu erinnern, das du längst weißt: dass du in deinem eigenen Leben vorkommen darfst. Dass eine Grenze kein Angriff ist. Und dass es einen Ort gibt, an dem du aufhören darfst, dich selbst zu verlassen.
In der Nähe
Dieser Band gehört zur Grundbewegung Bei sich bleiben und ist zugleich der Auftakt der Reihe Relationale Präsenz. Der Kurs Bei mir bleiben vertieft ab 25. Januar 2027 dieselbe Bewegung über sechs Wochen. Wer gleich mit dem Buch arbeiten möchte, findet ab 3. November 2026 im Shop die Guides der Serie Grenzen und Beziehung, vom Mini Guide für ein einzelnes Muster bis zum Premium Guide für acht Wochen.
Dieses Buch dient der persönlichen Reflexion und der Selbstbildung. Es ersetzt keine psychotherapeutische, psychologische, medizinische oder psychiatrische Beratung oder Behandlung.
